Bei Rentenversicherungen muss man zwischen der gesetzlichen und privaten Variante unterscheiden.

Das staatliche Rentensystem

 

Für Arbeitnehmer gibt es obligatorisch monatliche Einzahlungen in die staatliche Rentenkasse. Von der Ansammlung dieser Beiträge (in Punkten) wird nach Erreichen des Rentenalters eine monatliche Rente gezahlt. Beamte erhalten, ohne eigene Einzahlungen geleistet zu haben, eine Pension. Diese ist in Relation üblicherweise höher als eine Rentenleistung.

Desweiteren sollte man wissen, dass die deutsche Rentenkasse trotz der hohen monatlichen Zuflüsse keine nennenswerten Rücklagen hat. Die eingezahlten Gelder werden unmittelbar an die Rentenberechtigten ausgezahlt. Nach offiziell bekannten Angaben reichen die Rücklagen nur für einen Zeitraum von 10 Tagen.

Weitere Informationen zum umlagefinanzierten deutschen Rentensystem finden sie unter Wikipedia und beim BMAS :

https://de.wikipedia.org/wiki/Umlageverfahren

https://www.bmas.de/DE/Themen/Rente/Gesetzliche-Rentenversicherung/Finanzierung-GUV/finanzierung-der-gesetzlichen-rentenversicherung.html

Lassen sie sich nicht in die Irre führen!

In einem Presseartikel vom 06.08.2020 wird auf Focus online mit Unterstützung der Stiftung Warentest eine Aufbesserung der staatlichen Rente durch Extra-Zahlungen empfohlen.

Nach diesem Beispiel soll eine 55-jährige Frau laut einem „Finanz-Experten“ eine Extra-Zahlung von 44.916 Euro in die Rentenkasse leisten. Dadurch spart sie 13.719 Steuern und hat nur noch eine Netto-Einzahlung von 31.197 Euro. Durch diese Sonderzahlung erhöht sich ihre Rente ab der Regelaltersgrenze ( 67 Jahre ) um 204 Euro VOR Steuern und Sozialabgaben ! Bei Rentenzahlungen werden für Steuern und Sozialabgaben monatlich anteilig 11 %, in diesem Fall 22,44 Euro in Abzug gebracht. Somit kommen netto 181,56 Euro zur Auszahlung.

Simpel nachgerechnet:

Vom 55. bis zum 67. Lebensjahr OHNE Verzinsung, danach
31.197 : 181,56 = 171,83 : 12 = 14,34 Jahre

Das netto eingezahlte Kapital hat die Arbeitnehmerin OHNE Zinsen nach 26,3 Jahren ( ab 55. Lebensjahr ), also im Alter von 81,3 Jahren wieder zurück.

Richtig nachgerechnet:

Das Kapital von 44.916 Euro könnte ab dem 55. bis zum 67. Lebensjahr mit einer sehr konservativen Kapitalanlage zu einer Rendite von beispielsweise nur 3 % angelegt werden. Dann steht zu Rentenbeginn ein Kapitalstock von 64.350 Euro abzüglich Steuern, in unserem Beispiel 4.858 €uro bei einem Steuersatz von 25 % ohne Anrechnung von Freibeträgen, also 59.492 Euro zur FREIEN Verfügung.

Entnimmt man bei weiterer Verzinsung / Rendite von 3 % nur wie oben ermittelt 181,56 Euro im Monat reicht das Kapital für 685 Monate = 57,08 Jahre. Würde man die eigene Verrentung für 25 Jahre ( Endalter 92 Jahre ) rechnen, könnte man sich aus dem Kapitalstock monatlich 282 Euro selbst auszahlen – eine definitiv bessere Lösung, vor allem durch die freie Verfügbar- und Vererbbarkeit.

Gegenüber dem „ simpel nachgerechten Modell „ also über 10 Jahre länger und 100 Euro ( = + 55 % ) mehr im Monat.

Wer in der Lage ist, seine finanzielle Unabhängigkeit im Alter selbst zu planen und zu verantworten, sollte sich ernsthaft überlegen, ob er dies in die eigenen Hände nimmt oder doch dem Staat überlassen will.

Private Rentenversicherungen

 

Viele Menschen schließen zur Ergänzung ihres Einkommens im Alter Private Rentenversicherungen ab. Dies wird von Verbraucherorganisationen und in der Presse sogar vielfach empfohlen. Für uns steht fest: Wenn die Versicherungsvermittler nur eine mathematisch gerechnete Aufwands- / Ertragsrechnung und rein objektiv die Fakten zu derartigen Versicherungen offenlegten, ist davon auszugehen, dass die Versicherungsnehmer Verträge mit derart geringen Erträgen ( oftmals unterhalb der Inflationsquote ) nicht abschließen würden.

Wegen des schlechten Kapitalertrags raten wir von Privaten Rentenversicherungen ab.

Begründung : Rentenversicherungen sind ähnlich wie Lebensversicherungen jedoch unter Ausschluß des Todesfallrisikos konzeptioniert. Ebenso wie Kapitallebensversicherungen haben auch Rentenversicherungen eine relativ hohe Kostenquote. Wenn nun bei einer durchaus üblichen Kostenquote von 20 % ( vielfach ist diese Quote höher ) nur vier Fünftel des monatlichen oder jährlichen Beitrags in die Kapitalrücklage geht, spart der Versicherte bei einer Monatsprämie von z.B. 100,00 €uro tatsächlich nur 80,00 €uro im Kapitalstock an. Diese 80,00 €uro werden schon seit einigen Jahren mit weniger als 2 Prozent pro Jahr ( einschließlich Überschussbeteiligung ) verzinst.

Daraus ergibt sich folgende Rechnung:

Monatsbeitrag 100,00 Euro (brutto) über 20 Jahre = 24.000,00 Euro

Tatsächliche Kapitalbildung bei monatlich 80,00 Euro (netto) mit einer Verzinsung von 2 % p.a. über 240 Monate = 23.583,75 Euro.

Wenn eine solche Rentenversicherung also eine übliche Kostenquote von 20 % ( oftmals noch mehr ) hat, sind dies einschliesslich Verzinsung über die Laufzeit zusammengerechnet Kosten von 5.895,93 €uro, welche bei der für Versicherungen üblichen geringen Rentabilität nicht erwirtschaftet werden können.

Rentabilität sieht anders aus.

Rechnen sie auf dem vorstehenden Rechenweg doch einmal ihren eigenen Vertrag nach. Wir helfen ihnen auch gern bei einer objektiven ( rein mathematischen ) Bewertung ihrer Versorgungsverträge.

https://www.zinsen-berechnen.de/sparrechner.php

Verschärfend kommen die Auszahlungsbedingungen hinzu : Heutzutage zahlen Rentenversicherungen eine monatliche Rente von bis zu 35,00 Euro (im guten Fall) pro 10.000,00 Euro Kapitalrücklage. Bezogen auf die vorstehenden Zahlen bedeutet dies eine Monatsrente von 82,54 Euro. Um nur das gebildete Kapital (ohne Rendite) wieder ausgezahlt zu bekommen dauert es 285,7 Monate = 23,8 Jahre. Der Versicherte, der mit 67 Jahren in Rente geht und ab dann die zusätzliche Monatsrente aus seiner Rentenversicherung in Anspruch nimmt, muss also 90,8 Jahre alt werden um (ohne Zinsen) nur sein gebildetes Kapital ausgezahlt zu bekommen.

Bezieht man zur Vollständigkeit den sich jährlich verringernden Geldwert durch den Einfluss der Inflation über 20, 30 oder sogar 40 Jahre in die Rechnung mit ein wird das Ergebnis noch wesentlich schlechter.

Es gibt garantiert bessere Möglichkeiten um Kapitalrücklagen und Vermögen fürs Alter zu bilden.

 

Herabsetzung von Leistungen und Zahlungsverbot

Fast kein Versicherter kennt bei Abschluss einer Versicherung seine vollständigen Rechte und Pflichte. Die Versicherungsvertreter „ vergessen „ diese Aufklärung.

Wenn ein Versicherungsunternehmen nicht mehr in der Lage ist seine Leistungen, gleichgültig für welche Art von Versicherung, zu erfüllen, darf die Aufsichtsbehörde nach § 314 VAG ( Versicherungsaufsichtsgesetz ) veranlassen, dass die Versicherung ihre Leistungen gegenüber den Versicherten herabsetzt oder sogar vollständig einstellt. Diese Maßnahmen entbinden die Versicherungsnehmer jedoch nicht ihre vereinbarten Zahlungen in voller Höhe weiter zu leisten.

Absenkungen von zugesagten Zahlungen, auch bereits laufender Rentenauszahlungen, hat es in einigen Fällen bereits durch mehrere Versicherungsgesellschaften gegeben. Auch der deutsche Marktführer hat dies angekündigt. Allein in diesem Fall sind rund 750.000 Verträge von dieser Maßnahme betroffen.

Einfach gesagt : Aufgrund einer gesetzlichen, weitgehend unbekannten Regelung können die Auszahlungen an Versicherte teilweise reduziert oder sogar vollständig eingestellt werden. Die Versicherten müssen ihre vertraglich zugesagten monatlichen oder jährlichen Beiträge aber weiterhin in voller Höhe zahlen.

 

Haben Sie eine Lebens- oder Rentenversicherung deren Effizienz unbefriedigend scheint?

Nehmen Sie Kontakt mit uns auf und wir bemühen uns aus Ihrem Vertrag mehr herauszuholen.